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| Dienstag - 10/08/2004 ABKnet News Mit dem besten Dank an Journalistin Wobbeke Klare Documentarfilm: Schroeder liegt
in Brasilien
Es gibt viele Bilder und Vorstellungen
auf der Welt, die die Zeit langsam formt, wenn vorgefertigte Klischees nur
lange genug einwirken. So haben sich zum Beispiel bestimmte Meinungen
über Brasilien und Deutschland eingegraben. Der Schriftsteller und Filmemacher
Zé do Rock möchte genau das Gegenteil dieser Klischees zeigen.
Deshalb dreht er einen Dokumentarfilm über die beiden Länder: Schröder
liegt in Brasilien. Vor allem anderen aber ist Zé ein Brasilianer, der im Ausland lebt, und der sein Heimatland nicht vergessen hat. Er ist ein Gaucho, ein Cowboy aus Porto Alegre, aber er hat auch in São paulo gewohnt. Um sich zum Muster-Brasilianer zu machen, hat er als Pseudonym den Namen „Zé“ angenommen, typisch für den Nordosten Brasiliens – „Zé do Rock”, wie die Figur aus einem Lied des brasilianischen Akkordeonisten Dominguinhos. Seinen wahren Namen hat Zé regelrecht ausgemerzt: Sogar vom Klingelschild seiner Wohnung in München hat er ihn gestrichen, obwohl vorgeschrieben ist, dort den wirklichen Namen einzutragen. „Der Postbote hat heute keine Probleme mehr damit“, sagt Zé. Das andere Brasilien, das andere Deutschland und das Geschenk von Dom Pedro Aus den Klischees über Brasilien
und Deutschland entstand die Idee, einen Dokumentarfilm zu drehen,
der anders als alle seine Vorgänger sein sollte. Das Brasilien des Samba,
des Karnevals, der Gewalt und der Kriminalität, das Brasilien der Ungerechtigkeiten?
Kann sein. Aber ist Brasilien nichts als dies? Ein Dritte-Welt-Land oder
auch „Schwellenland“, wie man so blumig sagt, aber gibt es nicht auch die
andere Seite? Was ist mit dem aufstrebenden Süden, und was mit
dem armen, aber schönen Nordosten, wo man auch unter den Elendsten einige
zufrieden Gesichter finden wird? Und das blühende reiche Deutschland?
Was sagen die Armen (jawohl, die Armen) dort? Das Bild des mechanisierten,
ordnungsliebenden Landes, passt das zu denen, die unter einer Brücke
wohnen? Und was sagen die Brasilianer, die dort leben? Letztendlich sind viele
der im Ausland lebenden Brasilianer die neuen Armutsflüchtlinge aus
Brasiliens Nordosten. Statt wie früher auf Lastwagen und in Bussen nach
São Paulo zu rollen, landen sie jetzt auf den Flughäfen der Welt
– zu Hunderten, zu Tausenden im Laufe der Jahre. Während der deutsche Kanzler Schröder gegen die Stagnation in seinem Land kämpft, ist der südbrasilianische Ort mit dem gleichen Namen – Schröder – auf seine Weise glücklich und zufrieden. Mit dem Leben und mit Brasilien. Auch ohne die sozialen Privilegien und die Vorteile des Wohlstandes in der „Ersten Welt“. Die Einwohner sind hauptsächlich Nachkommen deutscher Siedler – eine Verwandtschaft, die den wenigsten Deutschen bekannt sein dürfte. Und das ist nicht die einzige vergessene Vergangenheit, an die der Film erinnern möchte: Kaum einer unter den Passanten in der „Kaiser-Pedro-Straße“ in München etwa ist sich wohl bewusst, dass diese Straße nach dem damaligen brasilianischen Kaiser benannt wurde, zum Dank für ein Waisenhaus, das dieser der Stadt gestiftet hatte, damals, als das imperialistische Brasilien sich noch den Luxus leisten konnte, wohltätig, zu sein. Ironien der Geschichte, oder? Internationale Freiwilligenarbeit voller Engagement – Dreharbeiten in Deutschland abgeschlossen Wenn man all dies bedenkt, bleibt die
Frage : Ist es nicht endlich Zeit, dass die Brasilianer ihren Schmuddelkinder-Komplex
überwinden, diese Wehleidigkeit, personifiziert durch unseren nationalen
Autor Nelson Rodrigues? Sind wir etwa blind für unseren eigenen Wert?
Der Film ist die Gemeinschaftsproduktion einer Gruppe von Leuten, die – genau wie Zé – an Brasilien glauben und es bewundern. Da ist zum Beispiel der Kameramann Christoph Konrad, der den Komfort seines Hauses und die Sicherheit seiner Anstellung in München verlassen hat, um in das Projekt einzusteigen. Oder der junge Franzose Hugues Lefevre, der in Paris aufgewachsen ist und jetzt in Köln wohnt: Wenn ihm etwas über den Weg läuft, das mit Brasilien zu tun hat, dann hört und sieht er nichts anderes mehr. Lefevre moderiert das größte deutsch-brasilianische Diskussionsforum im Internet mit mehr als sechshundert Teilnehmern. Er ist Co-Produzent und einer der größten Fans und Förderer des Films. Außerdem gehören Deutsche zu dem Team sowie Brasilianer und Brasilianerinnen, die in Deutschland oder Brasilien wohnen. Die Dreharbeiten in Deutschland wurden in der vergangenen Woche abgeschlossen. Mittwoch, den 11.08.2004 – Filmaufnahmen in São paulo “Schröder liegt in Brasilien”
ist ein Low-Budget-Film – wie könnte es auch anders sein – und wird
von ABKNet unterstützt. Der Erfolg der Dreharbeiten wird in beträchtlichem
Maße von der Öffentlichkeitsarbeit und von der Unterstützung
durch die Kollegen in der brasilianischen Presse abhängen.
Am vergangen Mittwochabend hat das Drehteam bereits im Restaurant Buttina in S. Paulo ein Interview mit der brasilianischen Sängerin Suzana Salles geführt. Sie ist als Interpretin der Lieder von Bertold Brecht / Kurt Weill bekannt – eine Spezialisierung, die selbst im Heimatland des Dichters selten ist. Eine brasilianische Spezialität. Fotos von den Dreharbeiten in Deutschland
werden wir hier zur Veröffentlichung online stellen. Später wird
hier auch der Vorstellungstext des Regisseurs Zé do Rock stehen. Die
Filmpremiere wird voraussichtlich im kommenden Dezember oder Januar stattfinden. Team und Fotos der Dreharbeiten in Deutschland
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